Die Rolle der RWTH im Projekt Sani Zanskar

Bau eines medizinischen Versorgungszentrums mit Winterschule im nordindischen Himalaya (Ladakh / Zanskar)

Das Lehrgebiet Technischer Ausbau und Entwerfen an der Architekturfakultät der RWTH Aachen beschäftigt sich mit der Integration technischer Gebäudeausrüstung in Gebäuden. Den Schwerpunkt stellt hierbei die Beschäftigung mit ressourcenschonendem Bauen und dessen Auswirkung auf die architektonische Gestalt.
Im Sommer 2006 wurde unser Lehrgebiet vom Förderverein Sani Zanskar angesprochen, um die Möglichkeit auszuloten, aus einer Seminararbeit studentische Entwürfe für den Bau der Schul- und Krankenstation zu erhalten. Diese soll dem Verein als Grundlage für die Realisierung dienen.

Wir haben diesen Gedanken aus zwei Gründen gerne aufgenommen:
Die Beschäftigung mit dem Bauen in extremen Klimasituationen ist Teil des Curriculums und eignet sich sehr, durch die Verschärfung einzelner (klimatischer) Entwurfsparameter, insbesondere bauphysikalische Zusammenhänge zu verdeutlichen. Der zweite Aspekt ist die für die Studenten sehr attraktive Perspektive, im Rahmen ihres Studiums eine Aufgabe mit hoher Chance auf eine Realisierung zu bearbeiten, ohne dabei in Konkurrenz zu lokalen Architekturbüros zu treten. (Es gibt dort keine.)

Das Seminar ist inzwischen erfolgreich beendet worden: Sechzehn Architekturstudenten haben in vier Gruppen Entwürfe für die Bildungs- und Versorgungsstation erarbeitet, in denen sie ein besonderes Augenmerk auf die passive Solarnutzung gelegt haben. Solarenergie ist in dem 3700m hoch gelegenen Tal reichlich vorhanden und neben dem kaum geeigneten Kuhdung – Feuer die einzige verfügbare Energiequelle. Es gibt kein Brennholz. Durch die Mitarbeit weiterer Universitätsinstitute konnte im Rahmen einer thermischen Simulation das Funktionieren der von den Studenten erdachten Sonnennutzung bestätigt werden.

Die kommenden Monate werden der Detailausarbeitung gewidmet werden, bevor die ersten Pläne nach Ladakh geschickt werden. Im Juli werden dann Studenten mit dem Förderverein Sani Zanskar nach Indien reisen, um selber, freiwillig und unentgeltlich, am Bau des Zentrums teilzunehmen.

Genaue Beschreibung des Projektes

Das Schul- und Medizingebäude in Sani (Ladakh / Zanskar) soll auf einer Fläche von etwa 150 m² eine Zwergschule und eine Krankenstation beherbergen. Ziel ist der Bau eines solar beheizten Gebäudes, das auch im Winter ein erträgliches Temperaturniveau erzeugt und auf diese Weise eine ganzjährige Schulnutzung ermöglicht, sowie Raum für eine medizinische Grundversorgung bietet.
Während der Schulraum mit seiner großen Verglasung die Sonne unmittelbar in Wärme umwandelt und somit zur Tagesmitte ein sehr angenehmes Raumklima bietet, in der Nacht aber durch die große Glasfläche abkühlt, sind die anderen Räume mit Trombe – Wänden ausgerüstet. Diese speichern die von der Sonne erzeugte Wärme und geben sie über den Tages- und Nachtverlauf verteilt an den Raum ab. So entsteht ein gleichbleibendes Temperaturniveau.
Wichtiger Entwurfsbestandteil ist die strategische Überlegung, das Gebäude in verschiedene Bauabschnitte zu gliedern, um auf die schwer kalkulierbaren Bedingungen vor Ort reagieren zu können.

Neben dem Eingangsbereich, einer Sanitäreinheit, dem Klassenraum, der Schulküche und einem Wohnraum für den Hausmeister, befindet sich in dem Haus ein Krankenzimmer und ein Behandlungszimmer, in welchem Schwerkranke auch hospitalisiert werden können. Das Gebäude ist erweiterbar, so dass bei dem zu erwarteten Bedarf in den nächsten Jahren an beiden Stirnseiten angebaut werden kann.
Die verwendeten Materialien werden nach Gesichtspunkten der lokalen Verbreitung und Akzeptanz ausgewählt. Somit kommen im Wesentlichen Lehm und Weidengeflecht sowie Natursteine zur Anwendung, Putze werden ebenso aus Lehm hergestellt. Auch Holz wird eingesetzt, das allerdings wie auch das Einfachglas, aus weit entfernten Regionen herantransportiert werden muss, da Ladakh und Zanskar kaum über eigene Holzvorräte verfügen. Die Technik soll so einfach und funktionell wie
möglich gehalten werden, damit sie von der Bevölkerung selbst repariert werden kann und so die Nachhaltigkeit weitgehend gesichert werden kann.

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